Turm aus Eichenholz
Vorbild für die Rekonstruktion des Burgturms ist insbesondere der Glockenstapel von Norderbrarup in Angeln, für die Turmhügel (Motten) die Erdreste vom Kleinen Schlichtenberg, Havekost, Nehmten, Stolpe, Rethwisch, Giekau und Eichede bei Trittau. Ausgegrabene Reste von Motten könnten darauf hinweisen, dass diese entsprechend den heute noch existierenden Glockenstapeln gebaut worden sind, mit acht oder mit zwölf Ständern, die auf Schwellbalken gezapft, gegründet waren. Nur bei moorigen Untergründen, wie an der Hatzburg bei Wedel, wurden zur Lastverteilung Substruktionshölzer (Lastverteilspinne) unter den Schwellenkranz gelegt.
Zunächst wurde im Nienthal mit einem Teil des Aushubbodens des Ringgrabens der Hügel bis 1,60 m unter der endgültigen Höhe aufgeschüttet; auf diesem Plateau stellte man den Burgturm auf. Dann erst wurden die restlichen 1,60 m der Motte mit dem Grabenaushub aufgefüllt, - die Burg wurde eingemottet. Der hohe Burgturm wurde so gegen umkippen durch Sturm gesichert. Zur weiteren Erhöhung der Stabilität wurde das Bauwerk von unten 6,00m auf oben 5,00m eingezogen, es wurde konisch gebaut.
Die gesägten und bedechselten Eichenhölzer setzten die Zimmerleute zu vier Seitenwänden, horizontal liegend, zusammen; danach zog man die Wände mit Hilfe eines Lastbaumes in die Senkrechte und verband sie an den Ecken. Alle zur Verfügung stehenden Menschen und Pferde wurden bei dieser schweren Arbeit des Aufsteilens eingesetzt. Mächtige Andreaskreuze stabilisieren die Wände, Hakenblätter und Holznägel verbinden die Hölzer.
Vorbild für das Burgdach ist der Kehlbalken-Dachstuhl des Templerhauses von Amorbach im Odenwald aus dem Jahr 1291. Das Dach ist mit Mönch- und Nonneziegeln abgedeckt. Die auf dem Firstende befestigte geschmiedete Fahnenstange mit aufgesetzter Eichenholzkugel (Symbol unsererer Erde) ist einem Fundstück aus der Weser nachgebaut. Die Farben der Schauenburger Grafen, später auch der Rantzaus, rot und weiß, schmücken unsere Wetterfahne.
In den Turm sind zwei Ebenen eingezogen. Der Fußboden aus dicken besäumten Bohlen, die dem Wuchs der Bäume entsprechend verlegt sind, wurden mit handgeschmiedeten Nägeln befestigt, ebenso die Deckelschalung für die äußere Verkleidung des Burgturmes aus dicken Bohlen. Zwei Treppen aus Dreikantblockstufen, jede mittels vier Holznägeln auf den tragenden Unterzügen befestigt, verbinden die Ebenen. Treppengeländer gab es im MA nicht, diese mussten aber den heute geltenden Bauvorschriften entsprechend angebracht werden. Um die allseitige Verteidigung auf der obersten Plattform zu ermöglichen, liegen die beiden Treppenläufe geschützt in der Mitte des Turmes; die allseits offene Brüstung dient der Verteidigung mit Pfeil und Bogen, Speer und Armbrust; Armbrustbolzen wurden in größerer Zahl am Großen und Kleinen Schlichtenberg und weiteren Burgen gefunden. Der Burgeingang lag meistens im Obergeschoss und war nur mit einer Leiter zu erreichen, die dann bei drohender Gefahr eingezogen wurde. Um auch unseren älteren Besuchern das Besteigen des Burgturmes zu ermöglichen, wurde die Eingangstür nach unten verlegt.





















