Wohnhaus des Ritters

Es ist von einem weit vorragendem, steilen Giebel gekennzeichnet. Vorlage für die Rekonstruktion war, was die Größe anbelangt, das Ritterwohnhaus auf dem "Großen Schlichtenberg" und was den Aufbau anbelangt, u.a. das Küsterhaus in Grube, das um 1570 als Ständerbau mit zwei Abseiten errichtet worden ist. Aus Platzgründen entschieden wir uns für den Ausbau mit nur einer Abseite. Das Dach erhielt eine etwa 280 Jahre alte Biberschwanz-Abdeckung. In den Giebeln ist je ein Fenster eingesetzt. Die Gefache der Außenwände wurden mit Klosterformatziegeln und Muschelkalkmörtel ausgemauert. Die Fenster werden mit in Blei gefassten Waldglasscheiben versehen. Die zweiflügelige Haustür in der Frontseite ist breit und dekorativ ausgeführt, wie es für den Niederadel wohl üblich war. Der "Große Schlichtenberg" bei Futterkamp lieferte auch das Vorbild für das Hypocaustum, eine von außen zu befeuernde Heizung. Sie gibt ihre Wärme durch den Fußboden und über zusätzliche Tonröhren in den Innenraum ab.







Kapelle

Im MA, zur Zeit der Christianisierung, war es üblich , dass der Ritter seine eigene Kapelle hatte. Kapellen aus dieser Zeit finden wir heute noch im Herzogtum Lauenburg. Und so beziehen wir uns, was die Art der Bauweise betrifft, auf die Kapelle von Fuhlenhagen.
Richard Haupt ist der Ansicht, dass Kapellen in dieser Zeit nur in Fachwerk gebaut wurden.
Unser sakrales Gebäude, 9 x / 5,50 m, ist in Ständerbauweise mit einer Zier-Backstein-Ausfachung gebaut worden. Durch ein größeres Fenster an der Ostseite und jeweils zwei kleineren in den Seitenwänden ist der Innenraum erhellt worden. Das etwa 45° steile Dach ist mit Mönch- und Nonneziegeln abgedeckt. Der Blick in den Innenbereich der Kapelle wird durch eine geschmiedete Gittertür gewährleistet.
Es sind sowohl Gottesdienste als auch Trauungen in dieser Kapelle möglich.




Wohn- und Stallgebäude

Es ist als erstes Gebäude in der Vorburg entstand. Vorlage für den Bau dieses Gebäudes ist der Versuch einer Rekonstruktion eines Bauernhauses um 1100 anhand von Funden des Archäologischen Landesamtes in Schleswig im Raum Schuby. Die verwendeten Hölzer für das Ständerbauwerk sind, wie in dieser Zeit üblich, überdimensioniert und genügen deshalb den heutigen Erfordernissen. Gegründet wurde das Gebäude auf Findlingen. Da die Gebäude nur mit einem offenen Feuer beheizt werden konnten, nutzten die Bewohner die Wärmeausstrahlung der Rinder im angrenzenden Stall. Die trennende Holzwand zum Stall hatte deshalb nur eine Höhe von etwa 1,20 m. Geschützt ist das Gebäude durch ein Satteldach und mit Deckelschalung verkleideten Giebeln; Eichenholzschindeln, die damals einfachste Form der Dachabdeckung, schützen das Gebäude vor Wind und Wetter. Die Außenwände im Stalltrakt bestehen aus 8 cm dicken Eichen- Bohlen, deren Fugen wurden mit Schafwolle abgedichtet. Im Bereich des Wohn- und Schlaftraktes bestehen die Außenwände aus Lehm mit Haselnussruten-Flechtwerk. Während der Stallteil gepflastert wurde, besteht der Fußboden im Wohn- und Schlaftrakt aus gestampften Lehm. Mittelpunkt des Hauses ist eine offene Feuerstelle. Der Rauch zieht dabei durch Öffnungen, die "Windaugen" in den Giebeln, ab. Zusätzlich wurden in die Wände mehrere Luken eingelassen, die insbesondere in den warmen Jahreszeiten für Licht und Belüftung sorgten. Durch die Unterteilung in Wohn- und Stallbereich befinden sich in diesem Gebäude noch ein "Küchenbereich" mit einem Kühlkeller und zwei Schlafräume.




Wirtschaftsgebäude

Es ist das größte Gebäude in der Vorburg. Vorbild ist das Hallenhaus der Burganlage auf dem "Großen Schlichtenberg" aus den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts, was die Größe anbelangt. Als Vorlage für den Aufbau diente uns der Hof Horst aus Gödersdorf aus der Zeit um 1535, der von Konrad Bedal in seinem Werk "Ländliche Ständerbauten des 15. und 16. Jahrhunderts in Schleswig/ Holstein und im südlichen Schleswig" untersucht und beschrieben worden ist. Das Gebäude ruht auf ein Fundament aus Findlingen. Sowohl die Schwellen als auch die Ständer und Riegel sind aus schweren, handbearbeiteten Eichenhölzern gefertigt. Der Kehlbalken ist im Binder, wie in der Probstei oft üblich, weit oben in der Firstspitze gesetzt. Das Dach mit Windaugen ist mit Schindeln abgedeckt. Die Wände sind mit Lehm und Haselnuss- Flechtwerk ausgefacht. Der Fußboden ist gestampfter Lehm.




Schmiede mit überdachter Vorhalle.

Unsere Schmiede besteht aus einem geschlossenen Schmiederaum und sowie einer offenen, überdachten Vorhalle, in der Pferde beschlagen werden können. Auch dieses Gebäude ist ein Ständerbau mit Lehm ausgefachten Wänden. Der Boden über der Vorhalle wird für die Lagerung von Material und Ersatzwerkzeugen genutzt. Im Bereich des Schmiederaumes wurde auf eine Zwischendecke aus feuertechnischen Gründen verzichtet. Das Satteldach wurde ebenfalls mit alten Biberschwanzziegeln gedeckt. Während der Fußboden im Bereich der Schmiede mit 20 cm dickem Lehmschlag befestigt wurde, ist die von Pferden benutzte Fläche der Vorhalle mit Kopfsteinen gepflastert. Die Schmiede soll regelmäßig zur Demonstration mittelalterlichen Handwerks genutzt werden.







Backhaus

Auch dieses Bauwerk ist nach historischen Vorbildern rekonstruiert. Die Größe des Ofens bezog sich jeweils auf den Bedarf der ihn nutzenden Menschen, war aber auf eine 5 m² Backfläche begrenzt. Wegen der besseren Möglichkeit des Beschickens wurde der Ofen auf einen Sockel gesetzt. Für den halbkugeligen Backofen wurde zunächst ein Gewölbe aus Backsteinen gemauert, das dann zur besserer Isolierung und Speicherung der Wärme mit einem 30 cm dicken Lehmmantel überzogen wurde. Nach Beheizen des Ofens und der erreichten Backtemperatur wird die Glut mit Schiebern aus dem Ofen vor dem Mundloch gezogen. Nach Säuberung des Backraumes mit dem "Bäckerbesen" können dann die Brotlaibe in den Ofen geschoben werden. Das Mundloch wird mit einer vom Plattner gefertigten Blechplatte geschlossen. Dann wird mittels der Strahlungswärme aus der Ofendecke und Sohle das Brot gebacken. Nach außen wird die Lehmschicht des Backofens, aber natürlich auch der ihn bedienende Bäcker, durch ein Satteldach mit alter Biberschwanzdeckung vor Regen und Schnee geschützt. Er wurde aus Feuerschutzgründen außerhalb der Vorburg errichtet.

Speicher

Er ist ein kleines, eingeschossiges Vorratsgebäude, das früher in erster Linie zur Lagerung von gedroschenem Getreide diente. Es zeichnet sich in der Baustruktur durch reine Holzbauweise mit eingenuteten Bohlenwänden aus und ist auf zehn etwa 20 cm über das Gelände herausragende Findlingen, den sogenannten Mäusepfeilern, gelagert; eine intensive Belüftung des gelagerten Getreides ist somit gewährleistet. Das Walmdach, mit Aufschieblingen und weit auskragend, ist mit Reet gedeckt. Speicher dieser Art sind heute nur noch in der benachbarten Probstei zu finden. Auf unserer Burganlage werden wir diesen Speicher u.a. für die Lagerung von Vorräten nutzen.

Versuchsbeschreibung Turmhügelburg
(Gesellschaft zur Qualitätssicherung Reet mbH)

Brunnen

Vorbild für diesen Brunnen ist der von Prof. Ingolf Ericsson auf dem "Grossen Schlichtenberg" ausgegrabene Brunnen aus dem 13. Jahrhundert, der aus einem runden Stein-Schacht und einer quadratischen Holzkonstruktion besteht. Unser Brunnen hat eine Tiefe von etwa 6,00 m. Der gefüllte Wassereimer wird mit Hilfe einer Winde nach oben geholt.

Burgtor

Das Burgtor im Eingangsbereich ähnelt dem Tor vor dem Burggraben, nur erheblich größer und stabiler. Ein Schlupftor neben den beiden Torflügeln ermöglicht den schnellen Eingang von genehmen Personen.




Brücke

Eine kleine Holzbrücke überquert den Bach "Lütt Elv" (kleine Elbe).
Das Besondere an dieser Konstruktion ist der leicht gewölbte Unterbau. Auch dieser ist - wie die Geländer - aus massiver Eiche gefertigt. Die Brücke ist ein kleines Kunstwerk der Zimmermannskunst.




Schlussbemerkung:

Die Lage der Gebäude zueinander auf dem Burggelände ist historischen Vorbildern nachempfunden und zudem zweckmäßig.

Ziel ist es, die mittelalterliche Anlage mit Leben zu erfüllen. Die einzelnen Gebäude werden jedoch nicht ständig bewohnt sein. Mittelalterliche Gruppen haben auf Anfrage die Möglichkeit entweder die Burg zeitweise zu beleben oder mit den Zelten auf den angrenzenden Wiesen zu lagern.

Während der gesamten Bauphase wurden die Arbeiten ständig durch das Archäologische Landesamt und Fachleute unseres Vereins beaufsichtigt.

 



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