Wohnhaus des Ritters
Es ist ein standesgemäßes Gebäude mit weit vorkragendem, steilem Brettergiebel. Darüber, auf dem vorderen Ende des Firstes, ist eine geschmiedete Eisenstange mit aufgeschobener Kugel, dem Symbol für Herrschaft, angebracht. Vorlage für dieses Gebäude und das Hypokaustum sind die Ausgrabungsergebnisse am Großen Schlichtenberg aus dem 13.Jh. und, was die Fachwerkbauweise anbelangt, noch vorhandene Gebäude in Holstein aus dem 15. Jahrhundert.
Die Gefache sind an unserem Ritterhaus mit Klosterformat-Backsteinen unter Verwendung von Muschelkalkmörtel ausgemauert, das Dach ist mit 300 Jahre alten Biberschwanzziegeln abgedeckt. Die Fenster sind zunächst nur mit Schutzscheiben gedichtet, die Verglasung mit bleigefasstem Waldglas wird zu einem späteren Zeitpunkt eingesetzt. Die Haustür in der Frontseite ist dekorativ ausgeführt, wie es für den Niederadel wohl üblich war; ein antikes Schubriegelschloss mit geschmiedetem Bartschlüssel sichert das Gebäude. Der Fußboden ist mit Backsteinen in Fischgrätmuster verlegt, der Wohn- und die beiden Schlafräume sind durch dicke Bohlenwände abgeteilt, eine mittelalterliche, aus Dreieckblockstufen gebaute Treppe führt ins Obergeschoss.
Nach mittelalterlichen Vorbildern eingerichtet ist der Wohnraum mit einem großem Tisch, um den acht Scherenstühle und zwei Rittersessel stehen. Über dem Tisch hängt ein runder Reifen-Leuchter, der einem kleineren aus der MA-Abteilung des Museums im Schloss Gottorf nachgebildet ist.
Neue Erfahrungen der Adeligen, die das Glück hatten, von den Kreuzzügen in den mediterranen Ländern heimzukommen, wirkten sich auch auf die Baukultur unseres Landes aus. So wurden bei den Ausgrabungen am Großen Schlichtenberg unter einem Wohngebäude zwei übereinander liegende verfallene Hypokaustöfen aus den Jahren um 1200 und 1300 gefunden, die Vorlage für unsere Rekonstruktion waren, wobei der ältere aus Feldsteinen, der jüngere aus den wärmeunempfindlichen Backsteinen gebaut waren. Diese Hypokaustöfen wurden von außen vom Gesinde bedient, und das bei Wind und Wetter. Wie bei unserem mittelalterlichen Backofen zieht das Feuer Sauerstoff durch den Ofenmund ein und lässt durch diesen den Rauch abziehen; einen Schornstein gibt es auch hier nicht.
Den Hypokaustöfen unter unserem Ritterwohnhaus haben wir aus Klosterformat-Backsteinen und Muschelkalkmörtel gebaut, wobei die Maße den Befunden am Großen Schlichtenberg entsprechen. Über und um diesem Ofen herum sind kopfgroße Feldsteine bis unter den Fußboden verlegt. Tonröhren mit Stöpseln im Fußboden verbinden die Wärmekammer um den beheizten Ofen mit dem Wohnraum. Durch Schlitze in der Stirnwand am Ofenmund strömt frische Luft durch die Hohlräume zwischen den heißen Feldsteinen und über den Ofen, erwärmt sich und fließt dann, sobald die Stöpsel entfernt sind, in den Wohnraum. Es muss darauf geachtet werden, dass saubere Luft über die Schlitze einströmt, die Stöpsel werden also erst entfernt, wenn nur noch Glut im Feuerraum ist und kein Rauch mehr ausströmt.
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Kapelle
Niederadelige hatten möglicherweise eine eigene Kapelle oder einen sakralen Raum. Richard Haupt stellt fest, dass Kapellen in dieser Zeit nur in Ständerbauweise gebaut wurden, und so beziehen wir uns bei unserer Rekonstruktion auf noch erhaltene Kapellen dieser Bauart in Fuhlenhagen, Grambek und andere im Kreis Herzogtum Lauenburg.
Unser sakrales Gebäude nahe dem Wohnhaus des Ritters, ist in Ständerbauweise mit Zier-Backstein-Ausfachung gebaut. Durch hochliegende Fenster, insbesondere im östlichen Bereich der Kapelle, wird der Innenraum erhellt. Zu den eingebauten Schutzscheiben sind mundgeblasenes Waldglasscheiben in Rautenform, bleigefasst, eingesetzt. Das Satteldach ist mit Mönch-/Nonne-Dachziegeln abgedeckt. Das Firstende schmückt ein geschmiedetes Kreuz.
Der Eintritt erfolgt durch eine massive Eichenholztür auf der westlichen Giebelseite, dabei sind die romanisch gestalteten Türbeschläge und das Schloss-Schutzblech mit der Schlüsselführung zu beachten. Ein mittelalterliches Schloss mit geschmiedetem Schlüssel sichert auch dieses Gebäude. Während der täglichen Besuchszeit auf unserer Burganlage verschließen wir die Kapelle mit einem geschmiedeten
Rautengittertor, das mit einem Überfall (mit Hundekopf) verschlossen werden kann.
Der Fußboden des Innenraums ist mit Backsteinplatten ausgelegt, die Fugen sind mit Muschelkalkmörtel verstrichen. Der Altar ist, wie im Mittelalter üblich, mit Backsteinen gemauert (Stipes) und mit einer Eichenholzplatte (Mensa) abgedeckt, auf der sich ein geschmiedetes Kreuz, zwei Talgleuchter und eine alte Bibel befinden. Das christliche Symbol Kreuz ist an vielen Stellen der Kapelle zu finden, so auch beim Mauerwerk der Innenschale im Kreuzverband. Eine bronzene Glocke ist in einer Baumgabel aufgehängt und ruft zum Gottesdienst.
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Wohn- und Stallgebäude
Vorlage für dieses Wohn-/Stall-Gebäude ist die zeichnerische Aufnahme eines Gebäudes aus Schuby um 1000. Es ist die Zeit des Übergangs von der Pfosten zur Ständerbauweise. Menschen und Tiere wohnten unter einem Dach. Das Gebäude ist dreigeteilt in Schlaf-, Wohn- und Stallbereich, ein Überleben auf Gegenseitigkeit: Die Menschen gaben Schutz und Futter, die Tiere Wärme, Milch, Fleisch und Fell, deshalb waren Stall- und Wohnbereich nur durch eine halbhohe Wand getrennt. In der Mitte des Wohnraumes befindet sich die Feuerstelle, ein aus Granitsteinen aufgebauter Sockel mit Aschegrube, abgedeckt mit einem Rauchdeckel, der den Funkenflug bis unter das Dach verhindert und die Wärme in den Wohnraum zurückwirft. Einen Schornstein gab es nicht, der Rauch zieht unter das Dach und dann, je nach Windrichtung, durch eines der Windaugen in den Giebelspitzen nach außen. Während der Fußboden im Stallbereich mit Kopfsteinen gepflastert ist, sind die Böden in den Wohnräumen mit Lehm gefertigt.
Das Licht fällt nur durch Luken und die Türen in die Räume. Die Tür ist mit einem Schubriegelschloss mit Pendelschlüssel zu schließen. Die Schlüsselform ist von einer archäologischen Ausgrabung einer Warft in Eiderstedt bekannt; Schloss und Schlüssel dieser Art sind bis heute noch an Holzkirchen in der Bukowina (Ostrumänien) in Funktion. An diesem Gebäude werden zwei unterschiedliche Wandaufbauten des MA dargestellt: Zum einen Holzbohlenwände zwischen den Ständern mit einer Schafwoll-Fugendichtung und zum anderen die Verfüllung der Gefache mit Haselnussflechtwerk, das mit gemagertem, mit Häcksel bewehrtem Lehm, lagenweise aufgetragen wird.
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Wirtschaftsgebäude
Es ist das größte Gebäude in der Vorburg. Vorlage für diesen Bau, was die Größe und die sechs Stützen/Pfosten unter den Deckenbalken betrifft, ist das von Ingolf Ericsson aus dem 13.Jh. ausgegrabene Hallenhaus der Burganlage auf dem Grossen Schlichtenberg. Als Vorlage für den Ständerbau dienten uns noch vorhandene alte Gebäude aus der Zeit um 1500 in Schleswig-Holstein.
Auch dieses Gebäude ist frostfrei auf Findlingen gegründet. Von den sechs Stützen, die die weitgespannten, nach der Ernte stark belasteten Deckenbalken abfingen, sind vier als Ständer auf Findlingsfundamenten und zwei, zu Anschauungszwecken, als Pfosten, eingebaut worden. Das mit Eichenholzschindeln abgedeckte Walmdach hat in den Firstenden Windaugen für den Rauchabzug des offenen Feuers in der Halle. In den mit Rutengeflecht und gemagertem, mit Häcksel bewehrtem Lehmmörtel ausgefachten Wänden sind zur Belüftung und für den Lichteinfall Luken eingebaut. Der Zugang in das Gebäude ist von der Westseite durch eine Tür möglich, von der Nordseite über ein zweiflügeliges Tor, durch das auch Pferdewagen gezogen werden können. Der Fußboden ist mit einer dicken, gestampften Lehmschicht befestigt. Eine mittelalterliche Treppe aus Dreieckblockstufen, jedoch mit Geländer, ermöglicht ein bequemes Erreichen des Dachbodens, der zur Galerie ausgebaut, die beleuchteten Vitrinen unseres geplanten Museums aufnehmen soll.
Der Ritter benutzte solche Wirtschaftsgebäude zum Unterstellen seiner Pferde, Wagen, Schlitten und landwirtschaftlichen Geräte. Wir als Förderverein nutzen die Halle auch für Gottesdienste und Veranstaltungen unterschiedlicher Art.
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Schmiede mit überdachter Vorhalle.
Vorlagen für die Konstruktion und den Bau der Schmiede stellte uns der Obermeister der Schmiede-Innung des Kreises Plön, Fritz Morr, zur Verfügung. Danach sind die Schmieden von Gütern, insbesondere im nördlichen Raum des alten deutschen Siedlungsbereichs, was Größe und Aufteilung der Räume anbelangt, ähnlich angelegt. Deshalb besteht auch unsere Schmiede aus einem geschlossenen Raum mit der Esse, Blasebalg, zwei Ambossen, einem Arbeitstisch und einer überdachten "Vorhalle", in der die Pferde beschlagen werden. Über der Vorhalle ist eine Decke aus Eichenholzbohlen eingezogen. .Der Boden ist über eine steile Treppe zu erreichen und dient zur Lagerung von Material Vorräten und Ersatzwerkzeugen für die Schmiede. Der Rauch des Schmiedefeuers zieht durch die über der Esse im oberen Bereich des Giebels geöffnete Luke ab. Ein Kamin für den besseren Abzug wurde erst nachträglich eingebaut. Aus feuertechnischen Gründen ist das Dach mit Biberschwanzziegeln abgedeckt. |

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Backhaus
Auch dieses Bauwerk ist nach historischen Vorlagen rekonstruiert worden, die uns der Obermeister der Bäcker-Innung des Kreises Plön, Otto Schutt, zur Verfügung stellte. Die Größe des Ofens bezog sich jeweils auf den Bedarf der ihn nutzenden Menschen, war aber aus konstruktiven Gründen begrenzt. Größerer Bedarf erforderte weitere Backöfen.
Wegen der bequemeren Möglichkeit des Beschickens und der ständigen Kontrolle des Backraumes wurde der Ofen auf einen Sockel gestellt. Der Backraum hat die Form einer gestauchten Halbkugel, um eine zeitgleiche Garung der Brote zu erreichen. Das aus Backsteinen gemauerte Gewölbe ist zur besseren Isolierung und Wärmespeicherung mit einem dicken Lehmmantel überzogen. Einen Schornstein gab es nicht; sowohl die Sauerstoffzufuhr als auch der Abzug des Rauches erfolgt durch den Ofenmund. Wegen des möglichen Funkenfluges wurde der Backofen außerhalb der Vorburg gebaut, übrigens oft auch die Schmiede.
Nach dem Beheizen des Ofens mit Buchenholz werden die Asche und die restliche Glut mit Schiebern aus dem Ofen in eine Blechmulde vor dem Ofenmund gezogen. Nach dem Beschicken des Ofens wird der Ofenmund mit einer Blechplatte verschlossen. Gebacken werden Brote nach mittelalterlichen Rezepten, bei den MA-Veranstaltungen bis zu 400. Das an beiden Giebelseiten offene Satteldach schützt die Bäcker und auch die isolierende Lehmschicht des Backofens vor Regen. Der ständige Luftzug unter dem Satteldach sorgt für den Abzug des Rauches und der Gase.
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Speicher
Archäologische Vorbilder sind noch vorhandene Getreidespeicher in der benachbarten Probstei. Zur guten Unterlüftung ist dieses Ständerbauwerk auf einzelnen Findlingen, den sogenannten Mäusehügeln, gelagert. Auf dem wuchtigen Baukörper mit den massiven Schwellen und Ständern ruht ein weit auskragendes Walmdach, das mit Reet gedeckt ist. Die Außenwände sind mit waagerecht lagernden Eichenholzbohlen hergestellt, deren Fugen mit mittelalterlichen "Nut und Feder" gedichtet sind. Das Gebäude dient der Lagerung von Getreide und getrockneten Feldfrüchten.
Versuchsbeschreibung Turmhügelburg (Gesellschaft zur Qualitätssicherung Reet mbH)
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Brunnen
Mittelpunkt des mittelalterlichen Treibens auf dem Burghof ist der Brunnen. Bei der Rekonstruktion dieses Bauwerkes beziehen wir uns auf die Ergebnisse der Grabungen von Ingolf Ericsson am Großen Schlichtenberg bei Futterkamp. Hier konnten noch gut erhaltenen Teile eines 5,00 m tiefen Brunnens ausgegraben werden. Der untere Teil des Brunnens besteht aus gerammten Eichenspaltbohlen, der obere Teil aus Granitfindlingsmauerwerk, das über das Gelände herausragt. Die Brunnenabdeckung und die Winde für das Aufziehen des Wassereimers sind mittelalterlich nachempfunden. Der Brunnen erhält sein Wasser aus Schichten des nach Osten ansteigenden Geländes; der Wasserspiegel ist hier erheblich höher, als im Burgraben.
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Burgtor
Dieses Tor ist dem Tor vor der Brücke über den Burggraben ähnlich, nur dass es seinem Zweck in den Wallzügen entsprechend breiter, wehrhafter und mit einem Schlupfloch versehen, gebaut worden war. Die Übergänge zur Wallanlage sind beidseitig mit Palisaden geschlossen.
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Brücke über die Lütt Elf
Die Eichenholzbrücke ermöglicht den kürzesten Zugang von der Burg zum Lager, der Reitbahn, dem Turnierplatz und der Bühne. Sie hat eine vom Archäologen Joachim Kühl an der Motte von Havekost im Kreis Ostholstein ausgegrabene Brücke zum Vorbild. Die Hölzer sind so stark bemessen, dass die Querung auch mit größeren Tieren möglich ist. |
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Bienenhaus
Älteste Vorlagen für unsere Rekonstruktion waren Bleistiftskizzen von Wilhelm Busch, dessen Bienenstände mit weit vorkragenden Dächern den empfindlichen Bienenkörben Schutz boten. Die von Wilhelm Busch skizzierten Bienenstände werden sich nicht wesentlich von denen in den vorangegangenen Jahrhunderten unterschieden haben, denn die stabiler gebauten Bienenhäuser entstanden erst mit der Umstellung von Korb- zur Kastenimkerei Ende des 19. Jahrhunderts.
Neben geflochtenen Bienenkörben zeigen wir während der Veranstaltungen auch deren Vorgänger, nämlich die Rutenstülper und Klotzbeuten. Sowohl der Imkerlandesverband Bad Segeberg als auch die Bio-Imkerei haben die ideelle Patenschaft für das Bienenhaus übernommen.
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Schlussbemerkung:
Die Lage der Gebäude zueinander auf dem Burggelände ist historischen Vorbildern nachempfunden und zudem zweckmäßig.
Ziel ist es, die mittelalterliche Anlage mit Leben zu erfüllen. Die einzelnen Gebäude werden jedoch nicht ständig bewohnt sein. Mittelalterliche Gruppen haben auf Anfrage die Möglichkeit entweder die Burg zeitweise zu beleben oder mit den Zelten auf den angrenzenden Wiesen zu lagern.
Während der gesamten Bauphase wurden die Arbeiten ständig durch das Archäologische Landesamt und Fachleute unseres Vereins beaufsichtigt. |
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